Jedes Jahr sterben in Deutschland etwa 65.000 Menschen, weil ihr Herz plötzlich aufhört zu schlagen. Häufig geschieht dies unbemerkt. In vielen Fällen sind jedoch andere Personen anwesend oder treffen kurz nach dem Herzstillstand ein. Dann ist sofortiges Handeln entscheidend!
Ein aktuelles und bekanntes Beispiel war der Herzstillstand des Fußballers Christian Eriksen bei der Europameisterschaft 2021 in Kopenhagen.
Laienreanimation rettet Leben

Eine Überlebenschance besteht nur, wenn unverzüglich mit Gegenmaßnahmen begonnen wird. Mit jeder Minute, in der das Herz stillsteht, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit der betroffenen Person um etwa zehn Prozent.
Im Idealfall wird zunächst ein Notruf unter der 112 abgesetzt. Anschließend sollte sofort mit der Herzdruckmassage und – wenn möglich – auch mit der Mund-zu-Mund-Beatmung begonnen werden. Ist ein Defibrillator verfügbar, sollte dieser ebenfalls eingesetzt werden. Diese Geräte geben gezielte elektrische Impulse ab, die das Herz wieder in einen normalen Rhythmus bringen können.
Der Rettungsdienst übernimmt anschließend die medizinische Versorgung vor Ort und bringt die betroffene Person in eine Klinik, wo die Behandlung fortgesetzt wird.
Bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes ist es jedoch entscheidend, dass die Herz-Lungen-Wiederbelebung (auch Herzdruckmassage, Reanimation oder CPR genannt) von anwesenden Personen durchgeführt wird.
Unterstützung durch die Leitstelle
Viele Menschen sind jedoch unsicher, wie sie in einer solchen Situation handeln sollen. Häufig liegt das daran, dass der Erste-Hilfe-Kurs – zum Beispiel für den Führerschein – schon lange zurückliegt oder die Angst besteht, etwas falsch zu machen.
In solchen Fällen erhalten Laien Unterstützung: Die Disponentinnen und Disponenten der Leitstelle Nord geben bei Bedarf telefonische Anleitung und begleiten die Wiederbelebungsmaßnahmen Schritt für Schritt – Bei der sogenannten Telefonreanimation.
Um zusätzlich qualifizierte Hilfe schnell an den Einsatzort zu bringen wurde das Projekt Saving Life ins Leben gerufen. Seit dem 1. Juni 2022 wird das System auch im Bereich der Leitstelle Nord eingesetzt. Saving Life ist an alle sechs Rettungsleitstellen in Schleswig-Holstein angebunden.
Seit dem Start von Saving Life in der Leitstelle Nord wurden seitdem mehr als 1900 Reanimationen bearbeitet und die Quote der Einsätze mit beteiligten Ersthelfern ist auf fast 50 % gestiegen.

Wie funktioniert das?
- Der Notruf 112 wird gewählt und ein Herz-Kreislauf-Stillstand gemeldet
- Die Leitstelle alarmiert den Rettungsdienst und die App “Saving Life”
- Die Mitarbeiter*innen der Leitstelle leiten die Anrufer*innen zur Herzdruckmassage an
- Nun werden registrierte Nutzer*innen der „Saving-Life-App”, die sich in der Nähe befinden, ebenfalls alarmiert
- Bis zu drei Ersthelfer*innen können den Alarm annehmen und bekommen dann den Weg zum Notfallort angezeigt
- Falls sie vor dem Rettungsdienst eintreffen, unterstützen Sie vor Ort bei der Herzdruckmassage oder können sie die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes mit lebenserhaltenden Maßnahmen überbrücken
Es besteht keine Verpflichtung einen Einsatz zu übernehmen. Sollte jedoch ein Einsatz übernommen werden, sind alle Helfer*innen über die Unfallkasse Nord und den ASB versichert.
Anforderungen
- Sie sind über 18 Jahre alt und haben in den letzten 2 Jahren einen Erste-Hilfe-Kurs mit mindestens 9 Unterrichtseinheiten besucht oder
- sie sind medizinisches Fachpersonal (MTA, MFA, MTRA, RettSan, RettAss, NotSan, Notärztin, usw.)

